Liebe braucht Pflege

Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört eine stabile und glückliche Beziehung. In unserer schnelllebigen und erfolgsorientierten Zeit, ist es allerdings nicht einfach, dafür genügend Ressourcen einzuplanen. Denn Beziehungen brauchen auch zeitintensive Pflege.

Die Forschung zeigt, dass nicht die Beziehungen, welche mit den meisten „Trümpfen“ starten, besonders dauerhafte sind, sondern jene, die regelmäßig gehegt und gepflegt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Erwartungshaltung. Jugendliche, welche die Scheidung ihrer Eltern erlebt hatten (Studie 2013 von Bodeman), haben eine deutlich negativere Sicht von Beziehung. Nur 10 % der Jugendlichen aus Scheidungsfamilien glauben, dass eine Ehe lebenslang halten wird – gegenüber 73 % der Jugendlichen, deren Eltern eine stabile Beziehung führen.

Liebe braucht Pflege

Wer im Garten ein Blumenbeet hat weiß, dass es nicht ausreicht, im Frühjahr die Blumen zu setzen und dann sich selbst zu überlassen oder vielleicht einmal im Jahr eine Gießkanne mit Dünger zu investieren. Blumen wollen regelmäßig Wasser und Dünger. Wer vertrocknete und wildwachsende Triebe liebevoll entfernt, wird sich einer besonderen Blütenpracht erfreuen können. Ebenso putzen wir zweimal am Tag die Zähne, bringen unser Auto regelmäßig in die Werkstatt und besuchen Weiterbildungskurse, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Nur von der Liebe erwarten viele, dass sie ein Selbstläufer ist, der ohne Pflege gedeihen soll. Diese Einstellung kann zum Problem werden. Obwohl sich fast alle Paare lebenslange Liebe wünschen, sind nur wenige dazu bereit, in diesen Traum regelmäßig Zeit und Energie zu investieren.

Was ist Liebe?

Viele haben versucht, die Liebe zu ergründen und zu erklären. Liebe ist ein metaphysischer Zustand – etwas, das wir wissenschaftlich nicht erklären können. Sie ist mehr als ein Gefühl wie Freude oder Glück. Die unzähligen Definitionsversuche beschränken sich meist auf den Versuch, die verschiedenen Formen von Liebe zu beschreiben. Da wird unterschieden zwischen romantischer, leidenschaftlicher, pragmatischer, kameradschaftlicher, besitzergreifender oder selbstloser Liebe und trotzdem kommt man der Sache nicht auf den Grund. Der Funke, der zwischen zwei Menschen überspringt und aus Sympathie oder Zuneigung Liebe und eine glückliche Beziehung macht, ist wissenschaftlich nicht zu erklären. Obwohl Liebe nicht zu erklären ist, haben fast alle Menschen eine Vorstellung davon, wie sie sich anfühlt und haben eine Sehnsucht danach.

Wie würden Sie Liebe beschreiben?

Viele haben die Vorstellung von „Wolke Sieben“, auf der sie mühelos schwebend durch das Leben getragen werden? Oder ist es eine anstrengende Wanderung in felsigem Gelände, die Kraft und Mühe kostet? Immer wieder muss man – trotz aller Begeisterung und Glücksgefühle – den besten Griff finden, um vorwärts zu kommen. Sichere Tritte müssen gesucht und schwierige Passagen gemeistert werden.

In das Projekt „Wir“ investieren

Liebe braucht Vision und Investition. Dazu gehört, dass wir Träume teilen, gemeinsame Ziele haben. Für eine dauerhafte, glückliche Beziehung brauchen wir Teamgeist und Verständnis. Ein starkes Wir-Gefühl zu haben heißt, sich auf den anderen verlassen zu können – komme, was wolle. Einen Stich im Herzen zu fühlen, wenn es dem Anderen schlecht geht, auch wenn man mit der Sache nichts zu tun hat. Ein Projekt aufgeben, wenn man merkt, dass es der Beziehung schaden würde. Ein gegen den Partner durchgedrücktes Projekt geht zu Lasten der Beziehung, Langfristig gesehen ist es der Sache nicht wert, auch wenn es noch so interessant erscheint.

Gemeinsam verbrachte Zeit festigt das Wir-Gefühl

Menschen, die für ihre Familie sehr wenig Zeit haben, argumentieren oftmals, dass sie dafür Qualitätszeit einsetzen. Die Realität ist eine andere. Was ist, wenn ich in dieser „Qualitätszeit“ müde und ausgelaugt bin und selber Erholung brauchen würde? Dann kann ich anderen auch keine Qualitätszeit bieten. In der Beziehung gilt: Quantität geht vor Qualität, denn Qualität braucht Zeit zur Entwicklung. Sie brauchen gemeinsam verbrachte Paar-Zeiten und ungestörtes Füreinander da sein – das stärkt jede glückliche Beziehung.

Prioritäten setzen

Würden Sie einen wichtigen Termin absagen, weil Sie gerade müde sind? Achten Sie auch bei Ihren „Beziehungs-Terminen“ darauf, dass sie eingehalten werden. Ein komplett durchgeplanter Terminkalender ist ein schlechter Nährboden für eine gesunde Beziehung. Viele unterschätzen die wahren Zeitfresser im Alltag: Es sind überraschenderweise nicht die großen Projekte und Probleme, sondern die Summe vieler kleiner Tätigkeiten. Oft ist jedoch die Freizeit so durchgeplant, dass sie keinen Erholungscharakter mehr hat. Ruhige Paarzeiten sind in den meisten Beziehungen so selten wie Oasen in der Wüste. Dabei hätten sie genau die gleiche wunderbare Rolle: nämlich Erholungsgebiet für Körper und Seele zu sein.

Eine glückliche Beziehung braucht Ruhezeiten, um zu erfahren, wie es Ihrem Partner wirklich geht und was ihn beschäftigt. Wie wollen Sie echte Unterstützung bekommen oder geben, wenn Sie jeden Tag bis spät in die Nacht arbeiten? Wie wollen Sie eine erfüllte Sexualität leben, wenn Ihre Tage und Abende so vollgepackt sind, dass Sie übermüdet ins Bett fallen?

Brigitte Malzner, Diplom Lebens- und Sozialberaterin, www.coachingteam.info

Quelle: „Einfach glücklich – Das Geheimnis einer erfüllten Partnerschaft und starken Beziehung“ Autoren Bodemann und Fux

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift Ehe und Familien Bausteine Nr. 100. Sie können diese Zeitschrift kostenlos als pdf-Datei bekommen, wenn Sie sich beim Newsletter anmelden.

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