Vom Frosch zum Prinz

Märchen halten uns manchmal einen Spiegel vor, der uns zeigen soll, wie wir leben. In Sachen Liebe gehen bei vielen Menschen beim Anblick eines Frosches die Gedanken zu den Gebrüder Grimm. Jeder darf sich dabei selber in seiner Rolle entdecken.

Auf den Tischen beim Frauenfrühstück war als Deko je ein Froschpärchen. Beide trugen Kronen auf dem Kopf, hatten aber keinen Blickkontakt, weil sie einander den Rücken zuwandten. Man gab mir nach dem Vortrag solch ein Paar mit nach Hause. Und während ich es betrachte, frage ich mich: Verhalte ich mich manchmal nicht auch wie ein Frosch, drehe dem anderen den Rücken zu, fühle mich besser als er, habe noch nicht entdeckt, dass sich im anderen ein König verbirgt?

Ich las das Märchen der Gebrüder Grimm. Da fällt der Königstochter ihre goldene Kugel in den Brunnen. Ein Frosch bietet ihr an, die Kugel aus der Tiefe zu holen mit der Bedingung, danach in ihrer Gesellschaft bleiben zu dürfen. Die Königstochter sagt zu und bekommt die Kugel zurück. Den Frosch aber will sie nicht belohnen. Ihr Vater, der König, erinnert sie an ihr Versprechen. Die Tochter muss fortan mit dem Frosch leben. Als dieser auch noch beansprucht, mit ihr im selben Bett zu schlafen, rastet sie endgültig aus und wirft den Frosch an die Wand. Zu ihrem Erstaunen verwandelt er sich in einen Prinzen. Und nun erzählt er von dem bösen Zauber, der ihn zum Frosch gemacht hat.

Was bedeutet dieses Märchen für meine Ehe? Man möchte die goldene Kugel, aber die damit verbundenen Unannehmlichkeiten will man nicht. Sich selbst findet man in Ordnung, den anderen versteht man nicht in seinen Eigenheiten und Bedürfnissen. Weiterlesen

Prägungen – Erfahrungen

Prägungen begleiten uns ein Leben lang. Ich bin mit vier Mitfahrern ins nächste Stadtzentrum unterwegs und merke, dass ich heute sehr nervös beim Fahren bin. Das kenne ich von mir sonst gar nicht, immerhin bin ich mehr als 40 Jahre unfallfrei unterwegs. Beinahe hätte ich eine Nachrangtafel übersehen. Und wie soll ich hier bloß einparken? Ich habe den Eindruck, alle Augen meiner Beifahrer sind erwartungsvoll auf mich gerichtet.

Als ich am Abend nach erfolgreicher Fahrt wieder zu Hause bin, falle ich todmüde ins Bett. Ich frage mich: Was hat mich heute so geschafft, dass ich fahre wie ein Führerscheinneuling? Stichwort Neuling. Da liegt der Angelpunkt. Ich sehe mich wieder zusammen mit meinem Vater beim Üben. Jede falsche Aktion endet in Schreierei. „Wie stellst du dich denn an?“ „Das wird so nichts“. „Abbiegen, abbiiiiiegen hab ich gesagt!“ „Siehst du nicht, dass dort  schon GRÜN ist?“ Zweimal bin ich vor dem Erreichen der heimatlichen Garage ausgestiegen und zu Fuß heimgegangen.

Jahre später mache ich eine Ausbildung zur Maltherapeutin. Zufällig verteilte Fotofragmente sollen einmal in einem spontan gestalteten Bild verarbeitet werden. Ein Foto enthält Zweige: Ja, ich wachse – das wird ein guter Bildteil. Ein anderes Fragment zeigt quadratische Muster. Noch besser: Das können die Fenster meines Ateliers sein, wo ich mich am wohlsten fühle. Und dann gibt es da noch einen Raubvogel – im Profil – ziemlich scharf beobachtend. Den klebe ich an den Rand. Und auf einmal erkenne ich es deutlich: Er, der Kritiker, beobachtet mich. Immer. Das ist in einem Bild genauso unangenehm wie in der Realität. Bildlich lässt sich das leicht lösen: ich male einfach etwas zwischen den kritischen Vogelblick und dem Fenster meines Ateliers. Was kann ich aber im Alltag tun? Denn eines bewirkt Kritik ja meistens: Sie behindert. Nicht nur bei alltäglichen Handlungen, auch beim Denken. Da sehe ich mich in der ungeliebten Lateinstunde. „Na schaun wir mal, ob dir heute ausnahmsweise die Vokabel einfallen.“ Flugs, weg sind sie. Weiterlesen

Krisen bewältigen

 

Warum gelingt es dem einen Menschen, an seinem Schicksal zu wachsen, und der andere scheitert daran? Wie kann man Krisen bewältigen? Weshalb werden manche trotz widrigster Umstände erfolgreich und andere nicht? Was ist der Grund, dass die einen niemals aufgeben, obgleich sie mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert werden – und andere gleich das Handtuch werfen?

Was macht uns stark?

Emmy Werner, eine amerikanische Entwicklungspsychologin, setzte sich mit diesen und weiteren Fragen im Rahmen ihrer Resilienzforschung auseinander. Sie forschte im Rahmen einer Längsschnittstudie gemeinsam mit ihrem Team und begleitete auf der Hawaii-Insel Kauai an die 700 Kinder bis zu deren erwachsenen Alter. Dabei wurde deutlich, dass ein Drittel dieser Kinder unter schwierigsten Bedingungen aufzuwachsen hatte: Armut, Misshandlung, Vernachlässigung, psychisch kranke Eltern und weitere soziale Missstände prägten den Alltag dieser Gruppe. Erstaunlicherweise gelang es dennoch 72 dieser Kinder, ihre Schullaufbahn erfolgreich abzuschließen, sozial integriert zu sein und sich positiv weiter zu entwickeln. Sie wurden zu leistungsfähigen, zuversichtlichen und empathischen Erwachsenen.

Das Ergebnis dieser und auch anderer Studien zeigte: Widrige Umstände in der Kindheit führen nicht zwangsläufig dazu, dass man im Leben scheitert oder es nicht gelingen lässt! So reicht es beispielsweise aus, wenn  mindestens eine liebevolle Bezugsperson in der Kindheit vorhanden ist, die dem Kind Sicherheit schenkt. In diesem Fall können verschiedenste Schutzfaktoren aufgebaut werden, die helfen, den Widrigkeiten effektiv zu begegnen. Diese Bezugspersonen müssen nicht unbedingt Vater oder Mutter sein. Auch Geschwister, Tanten, Onkel, LehrerInnen oder NachbarInnen können zum sicheren Hafen für Heranwachsende werden. Ebenso tragen Haltungen von Offenheit, Neugier und hoher sozialer Kompetenz dazu bei, dass sich Kinder aus Risikofamilien psychisch gesund entwickeln können.

Die Hawaii-Studie eröffnete damals erstmals den Blick auf das Vorhandensein von Resilienz. Die Ergebnisse machten bewusst, welche Kriterien vorhanden sein müssen, um trotz aller Umstände und Widrigkeiten widerstandsfähig zu werden. Bedeutet das aber nun, dass man durch Resilienz  gänzlich unverwundbar ist? Nein, ganz und gar nicht! Verwundbar sind auch resiliente Menschen, aber sie entwickeln im Laufe ihres Lebens eine große Stärke und Sicherheit. Und sie erwerben die Fähigkeit, mit Stress und krisenreichen Zeiten erfolgreich umzugehen.

Wir brauchen Frust Weiterlesen

Wozu eine Bedienungsanleitung?

 

Beim Kauf eines neuen Gerätes scheint es zwei Sorten von Menschen zu geben. Die einen packen das Gerät aus und probieren solange, bis es läuft. Die anderen nehmen die Bedienungsanleitung zur Hand und gehen diese Schritt für Schritt durch.

Bei einfachen Geräten hat sich die Methode des Herumprobierens als sehr effizient erwiesen. Nachdem viele Menschen ungern eine langwierige Bedienungsanleitung lesen wollen, versuchen manche Hersteller ihre Geräte möglichst intuitiv über Symbole bedienbar zu machen. Das klappt ganz gut, solange der Sinn der Symbole erkennbar ist. Bei der Kaffeemaschine läuft meist nach einigen Fehlversuchen dann doch der gewünschte Kaffee in die Tasse. Bei hochkomplexen Systemen, wie zum Beispiel einem Passagierflugzeug funktioniert diese Methode nicht mehr. Die 400 Passagiere eines Jumbojets müssen sich darauf verlassen können, dass die Piloten exakt nach Plan vorgehen, damit sie sicher ankommen. Weiterlesen

Geben und Nehmen

Wenn Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen leben oder arbeiten, erfordert das Kompromissbereitschaft und Flexibilität von den Beteiligten. Bereits kleine Anlässe können manchmal ganz schön Ärger schaffen. Dieses Prinzip gilt ganz besonders für die Paarbeziehung. Dort stehen wir jeden Tag vor der Entscheidung: Toleranz üben oder Grenzen setzen. Wie können wir herausfinden, wann welches Verhalten sinnvoll und zielführend ist.

Toleranz bedeutet für viele, nachzugeben, auf ihr Recht zu verzichten. Das wird häufig von anderen eingefordert, ohne selber dazu bereit zu sein. Im Hintergrund taucht vielleicht die Frage auf, welche Konsequenz hat meine Toleranz? Wird dadurch meine Autorität untergraben und verliere ich Einfluss und Macht? Toleranz ist eine bewusste Entscheidung, die eigenen Grenzen aufzuweichen. Tolerant kann ich nur dann sein, wenn ich mich stark fühle und durch diese Entscheidung keine Bedrohung meines Selbstwertes empfinde. Die Kompromisse, welche man dabei eingeht, werden einem höheren Ziel und höheren Bedürfnissen unterstellt, einer guten Beziehung. Der daraus erzielte Gewinn ist somit größer in Bezug auf das „Wir“ und schafft ein befriedigendes Miteinander.

Die wichtigen Bedürfnisse erkennen

Beim Zusammenleben als Paar und in der Familie gibt uns der Alltag immer wieder Anlässe über unsere Bedürfnisse nachzudenken. Wenn ich ins Badezimmer komme und ich sehe, dass das Waschbecken schmutzig und der Spiegel angekleckert ist, nachdem die Kinder in der Früh das Haus verließen, kann das großen Frust auslösen. Mein Bedürfnis nach Sauberkeit wurde nicht erfüllt und von den Familienmitgliedern missachtet. Der Ärger darüber, dass die Täter nicht greifbar sind, wird die Situation eventuell noch verschärfen. Möglicherweise entlädt sich der morgendliche Frust bei einer anderen Begebenheit und dann kann es durchwegs passieren, dass die falsche Person die aufgestauten Gefühle abbekommt. Der Frust wird auf beiden Seiten noch größer und das Problem dadurch nicht gelöst.

Tipps für einen guten Umgang mit Bedürfnissen: Weiterlesen

Konto überziehen kommt teuer

 

Geht es Ihnen auch manchmal so? Einmal beim Einkaufen nicht aufgepasst und schon ist das Konto überzogen. Ein Blick auf die Kostentabelle der Bank zeigt Erschreckendes. Neben hohen Überziehungszinsen fallen zusätzliche Bearbeitungsgebühren an. Man könnte meinen, dass Unaufmerksamkeit in Bezug auf das Konto bestraft wird. Ein Vergleich der Kontoführung bei der Bank mit den Abläufen in einer Partnerschaft zeigt interessante Parallelen. Weiterlesen

Als Familie konstruktiv streiten lernen

Das Familienleben und die damit verbundenen Themen verändern sich wie Jahreszeiten. Es beginnt mit stürmischen Frühlingsgefühlen mit chaotischem Wachstum, die in heiße Sommerzeiten mit Gewitterstürmen und Kaltwetterperioden übergehen. Bis man in die Erntezeit des Herbstes und die ruhigen Winterzeiten gelangt, gibt es eine Menge Arbeit zu erledigen.

Schmunzelnd lese ich die Zeilen über ein Gespräch, welches ich vor mehr als zehn Jahren mit meinem Mann Scott geführt hatte: „Mama, Timon stinkt!“ ruft mir meine Tochter Ciara mit gerümpfter Nase zu. „Scott, kannst du das mal schnell übernehmen?“, sage ich zu meinem Mann. Er versteckt sich hinter einem Buch und meint: „Ich habe die letzte Windel gewechselt!“ Darauf ich: „Und ich habe die Kinder heute in der Früh angezogen!“ Er: “Ich habe sie in den Kindergarten gebracht!“ Ich: “Und ich das Jausenbrot geschmiert!“ Er: “Und ich …“

Seitdem hat sich in unserer Familie vieles verändert. Die stinkenden Windeln haben sich längst aus unserem Haus verabschiedet und ein drittes Kind hat unsere Familie vervollständigt. Mit den wachsenden Kindern haben Smartphones, Laptops und Wiiu in unser Haus gefunden. Das Gleichgewicht der Arbeitsteilung hat sich ebenso verändert. Scott und ich arbeiten beide und versuchen den Haushalt gemeinsam zu bewältigen. Die Diskussionen über die Verteilung der Hausarbeit sind jedoch geblieben. Beschränkten sich die Streitgespräche um die ungeliebte Hausarbeit ursprünglich auf uns beide, so sind nun drei weitere Menschen in den Kampf um die Macht in unserem Haus hinzugekommen. Jetzt diskutieren auch unsere Kinder fleißig mit. Wer hat zuletzt den Geschirrspüler ausgeräumt? Wer muss den Müll hinaustragen? Und wer muss schon wieder etwas aus dem Keller holen? Die Frage nach Arbeitsverteilung wird, nun zu fünft ebenso heftig diskutiert, wie zuvor zu zweit. Und die Frage nach der Macht beschäftigt mich weiterhin. Wie soll eine christliche Familie in Bezug auf das Thema Macht aussehen? Wer darf bestimmen? Was tue ich, wenn wir uns Erwachsene als gleichberechtigt ansehen und beide fest von unseren Meinungen überzeugt sind? Und wie gehe ich mit den Forderungen der Kinder um, ebenso mitbestimmen zu wollen? Weiterlesen

Türen zum ganz persönlichen Glück

Die meisten Menschen wünschen sich glückliche Beziehungen. Vor allem die Beziehung zum Lebenspartner soll uns Glück bescheren. Sie soll Antrieb für Lebenskraft und Glückshormone sein und wenn möglich, ein Leben lang anhalten. Mit solchen Erwartungen werden wir andere Menschen überfordern. Woher können wir dann unsere Lebensenergie immer wieder auftanken?

Am Beginn einer Liebesgeschichte stehen manchmal Liebesbriefe. Sie sind Grund für Freude, Schmetterlinge im Bauch und ungeahnte Motivationsschübe. Sie erschließen dem Adressaten die Gedanken und das Herz des Schreibers und sind der schriftliche Beweis für die entzündete Flamme der Liebe. Nur der persönliche Kontakt wird dann schließlich zum Vertiefen und Reifen dieser Liebe weiterhelfen. Weiterlesen

Familien und das liebe Geld

Das Thema „Finanzen“ ist eines der zehn häufigsten Streitthemen in den Familien. Die Gründe dafür zeigen aktuelle Studien. Eine Studie der Caritas Salzburg zum Thema „Familienarmut“ ergab, dass 15 % aller Salzburger armutsgefährdet sind. Besonders die steigenden Wohnungskosten machen ihnen zu schaffen. Das Haushaltseinkommen ist laut der Studie in den letzten 10 Jahren um ca. 10 % gestiegen, während der Verbraucherpreisindex in diesem Zeitraum um mehr als 21 % stieg. Verlierer sind vor allem Mehrpersonen-Haushalte mit mindestens drei Kindern und Ein-Eltern-Haushalte.
Texte wie diesen kann man immer wieder im Internet oder in Fachzeitschriften finden. Auch hier ist offenbar eine „Dynamik“ am Werk, eine subtil wirkende Kraft. Nicht selten wird diese zur Zerreißprobe für Familien. Manche schaffen es nicht und dann wird es so richtig teuer: Scheidungen kosten nicht nur Geld, sondern zehren auch an den seelischen Kräften der Betroffenen. Vielleicht sind die agierenden Anwälte davon ausgenommen. Es ist ja ihr „Geschäft“. Und danach wird es auch nicht besser … „Rund 7.000 Euro weniger haben Ein-Eltern-Haushalte pro Jahr im Vergleich zum österreichischen Medianeinkommen zur Verfügung, das bedeutet einen rund 30 % geringeren Lebensstandard als der Durchschnitt.“ So geht es den Alleinerzieherinnen. Warum nur muss ich jetzt an das Wort „Armutsfalle“ denken?! Weiterlesen

Dialog nach 35 Jahren Ehe

Wir sind 35 Jahre verheiratet. Am Hochzeitstag blicken wir in einem Dialog auf die gemeinsamen Jahre zurück. Unsere drei Kinder sind erwachsen und das Wohnzimmer gehört wieder uns Beiden. Wir genießen unsere Zweisamkeit als zweiten Frühling unserer Beziehung. Ein Dialog entwickelt sich.
Helmut: Es scheint wie ein Wunder, dass wir diese 35 Jahre so gut überstanden. Unser Start war ja nicht so einfach. Einen Großteil unserer gemeinsamen Zeit verbrachten wir mit Hausbauen, Kinder groß ziehen, Haus umbauen und an Krankenbetten verweilen. Anfangs waren wir der Überzeugung, dass wir ein perfektes Ehepaar werden, die alles besser machen als andere. Genaugenommen hatten wir damals sehr wenig Ahnung von Kommunikation und Beziehungsgestaltung.
Brigitte: Deine ruhige Art hat mir gefallen. Du warst ein guter Zuhörer. Ich habe sehr geschätzt, dass du fleißig warst. Später erlebte ich, dass du vor lauter Arbeit keine Zeit für mich hattest. Weiterlesen